Ümit Sormaz
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Distanzlernen im digitalen Zeitalter – Lösungen und Vorschläge

Mit dem Distanzlernen des bayerischen Kultusministers Michael Piazolo (Freie Wähler) werden ab Mittwoch die meisten Schülerinnen und Schüler in Bayern allein vor ihrem Schulstoff sitzen. Oft fehlen den Schülern /innen die nötigen Computer, die digitale Infrastruktur, weil sich Lehrer nicht ausreichend vorbereiten konnten. Während in den Abschlussklassen einschließlich der Q11 des Gymnasiums verpflichtender Distanzunterricht stattfindet, bleiben die Jüngeren auf der Strecke.

Das muss nicht sein.

Den ganzen Sommer lang hatte das Kultusministerium Zeit, die Schulen auf mehr digitalen Unterricht einzustellen. Die bereitgestellten Mittel wurden oft einfach nicht abgerufen. Eine Kontrolle, einen Plan hin zu einem infektionsfreien Unterrichten gab es in vielen Fällen nicht.

Jetzt sind die Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden.

Stattdessen wird von den Schülern /innen erwartet, dass sie in ihren vorgezogenen Ferien weiter lernen. Die Lehrkräfte sollten ihnen nach ministerieller Anweisung für die unterrichtsfreien Tage Materialien zum Üben, Vertiefen und Wiederholen zur Verfügung stellen. In welcher Form ist klar: Kaum lesbare Arbeitsblätter von Matrizen vervielfältigt, Aufgaben aus Schulbüchern, denen jegliche Erklärung fehlt.

Selbst der Lernplattform Mebis scheinen die Verantwortlichen nicht zu trauen. Ein digitaler Unterricht scheint in weite Ferne gerückt.

Dabei geht es nicht um den digitalen Unterricht, sondern den durch digitale Mittel unterstützten Unterricht.

Statt Laptop und Lederhose nur Lederhose, Kreide und Tafel. Das ist kein Bildungskonzept für die Zukunft an Bayerns Schulen. Das ist eher ein Szenario für einen Ludwig-Thoma-Roman.

Was sagt der Lehrerverband?

Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, wirft den Landesregierungen und Schulministerien in der Corona-Pandemie ein teilweise katastrophales Krisenmanagement“ vor. Man habe es versäumt, sich auf eine neue Phase des Wechselunterrichts vorzubereiten, etwa durch mehr Tempo bei der digitalen Modernisierung der Schulen. Das räche sich jetzt.

Oft mangele es an schnellem Internet. „Bei der Versorgung der Schulen mit schnellem Internet stehen wir nicht viel besser da als im März diesen Jahres. Und schnelles Internet ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Videokonferenzsysteme funktionieren“, sagte Meidinger.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands fordert deswegen ein Gesamtkonzept, „wie in Pandemie-Zeiten die Bildungsqualität und die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen gesichert werden können.“

Was sagt die Landes-Eltern-Vereinigung?

Noch im November hatte auch die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in einem Brandbrief an Kultusminister Piazolo beklagt, dass an den Schulen „digitales Chaos“ herrsche. Den Schulen fehle auch der technische Support.

Die Situation in den Schulen?

Aufgrund der Infektionszahlen mussten ab dem 16.12.2020 die Schulen schließen und auf Distanzunterricht umgestellt werden. Der Distanzunterricht ist meistens abhängig vom Einsatz einzelner sehr engagierter Lehrer, Eltern oder Schüler, jedoch nur punktuell zu beobachten und wird bzw. kann leider nicht flächendeckend umgesetzt werden. Die Rede ist immer wieder von Distanz- Wechsel oder Hybridunterricht. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und erfindet dafür einen neuen Namen. Dabei sind die Ursachen dieser Umsetzungsproblematik alle gleich:

fehlendes Know-How der beteiligten Lehrer über die möglichen einsetzbaren Software-Tools
fehlende Ausstattung
fehlendes Know-How für den Erwerb und Einrichtung der richtigen Gerätschaften (trotz vorhandener zur Verfügung stehender finanzieller Mittel)
fehlende Ressourcen für Wartung der Gerätschaften
fehlende Lehrkräfte für den Online-Unterricht
erschwerende Entscheidungsfindung aufgrund gegebener langwieriger Dienstwege

Das Ergebnis: Viele Schüler/ innen können dem Unterricht nicht folgen. Aufgrund der nicht vorhandenen Infrastruktur und der erforderlichen Betreuung der Schüler entstehen Wissenslücken, insbesondere bei Schülern aus bildungsfernen Familien. Bereits nach dem ersten Lockdown war es nur schwer möglich, die Wissenslücken dieser Schülerinnen und Schüler zu schließen. Viele laufen Gefahr dass eine ganze Schüler­generation sein Klassenziel nicht erreicht. Die damit verbundenen langfristigen Folgen, der soziale wie psychische Druck sind nicht absehbar.

Aktuelle Situation von Bildungsträgern und Instituten

Die Corona-Krise hat alle Wirtschaftszweige unterschiedlich getroffen, insbesondere die Gastronomie und Hotellerie leidet am stärksten unter ihr, so dass im ersten Quartal 2021 mit einer Insolvenzrate von ca. 40% gerechnet wird. In der aktuellen Betrachtung der betroffenen Wirtschaftszweige finden langsam auch die Branchen an Beachtung, auf die sich die Krise versetzt, jedoch ebenfalls massiv auswirkt.

Darunter fallen die Bildungsträger und Institute, denen die Teilnehmer bzw. Schüler einfach wegfallen. Die Angst der Ansteckung und die Organisation des „neuen“ Alltags sorgen für ein Fernbleiben der Interessierten an Kursen und am Unterricht. Dies führt schleichend, jedoch unausweichlich ebenfalls zu einer wirtschaftlichen Notlage, wenn nicht sogar zur Insolvenz der Bildungsträger und Institute.

Lösungsvorschlag für alle Beteiligten

Eine Investition in die Bildung über die Bildungsträger/Institute, die wir aufgrund ihrer freien Ressourcen massiv bei den oben genannten Punkten unterstützen könnten:

Ausstattung mit entsprechenden Providern, Computer und Tabletts
Betreuung und Wartung
Organisation von punktgenauen Kursen, entsprechenden Online-Unterrichtseinheiten
die ununterbrochene und individuell abgestimmte Betreuung der Schüler via Netz.
digitale Nachhilfekurse
Bereitstellung ganzer Unterrichtseinheiten mit Lernzielkontrolle
Lassen Sie uns gemeinsam die Grundlagen für einen digitalen Unterricht schaffen, der auch nach Corona Bestand hat. Das Land muss digitaler, effizienter und vor allem infektionsfrei werden und bleiben. Corona bietet uns die Chance. Die Mittel sind vorhanden. Machen Sie mit. Gemeinsam können wir aus dieser Krise gestärkt hervorgehen, ohne unsere wertvollste Ressource, unsere Kinder und deren Bildung, leiden zu lassen.

Damit wäre nicht nur den Schulen, Schülern, Eltern sondern auch den Bildungsträgern geholfen.


17. Dezember 2020

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