Ümit Sormaz
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Ich, Ümit Sormaz

Ich  bin Jude, ich bin Moslem, ich bin Christ, denn ich bin liberal und bete zum selben Gott, wie alle anderen auch. Wir kamen, wie jeder Zweite (45,2 Prozent), in diese Stadt und bauten sie mit auf. Damals, in der Mitte des letzten Jahrhunderts, kamen viele als Bauarbeiter, Gärtner, Näherinnen, als einfache Arbeiter. Wir genossen den Wohlstand, der anderswo keine Selbstverständlichkeit war.  Damals hatten wir keine Institutionen, keinen Integrationsrat. Wir hatten uns und unsere Nachbarn. Religionsunterschiede waren damals irrelevant.

Ich erinnere mich, wie oft ich alte Männer und Frauen auf der Straße sah, die verzweifelt still mit sich selbst sprachen. Denen half damals auch kein Integrationsrat. Man half sich selbst, rückte zusammen.

Meine Mama war Näherin. Ich habe mein Studium in Nürnberg beendet und leite heute eine Weiterbildungsstätte – ohne Integrationsrat. Längst sind die Kinder von einfachen Handwerkern zu den akademischen Stützen der Gesellschaft geworden. Jetzt sind wir  die Mitte der Gesellschaft.

Wir grenzen niemanden aus. Seit den Anfangsjahren sind ein paar Jahrzehnte vergangen. Die Kulturen mischten sich.

Leider haben manche nun ihr Heil in einer Radikalisierung fundamentaler Glaubensausrichtungen gesucht, sowie manche Nachbarn in eine Deutschtümelei abdrifteten. Beides gehörte nie wirklich zu uns. Beide Extreme pflanzen Hass und Vorurteile als Spaltpilze in unsere Gesellschaft. Beide bringen uns nicht weiter.

Es ist merkwürdig, dass ausgerechnet in einer von Umstürzen und wirtschaftlichen Wechseln  bedrohten Zeit durch Energiewende, Klimakollaps, Decarbonisierung und Verkehrsinfarkt all unsere Zukunftsängste von radikalen Tendenzen überlagert werden.

Es entsteht Hysterie, die niemand braucht. Wir brauchen heute keine Neiddebatten verschiedener, längst so nicht mehr vorhandener  Kulturen. Das führt uns in keine friedliche Zukunft. Auch war Früher nie alles besser. Vor allem nicht in einem schöngeredeten Früher, das es so nie wirklich gab.

Wir  brauchen heute und für unsere Zukunft eine offene, tiefere Debatte darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Demnächst tritt neben die natürliche Intelligenz bald die künstliche. Die Berufswelt wird sich verändern, wenn künftig immer mehr geistige Tätigkeiten auf Maschinen übertragen werden. Da dürfen wir nicht zu stumpfen Maschinenstürmern werden, wie es manche Grüne vorschlagen. Wir müssen wieder lernen, an unsere Fähigkeiten zu glauben. Wir benötigen  mehr Pragmatismus, statt sinnloser Endlosdiskussionen über eingebildete Befindlichkeiten.

Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine Rückbesinnung auf unsere wahren Werte, nicht uns auferlegte Stigmata, Vorurteile und Ausgrenzung. Wir setzen auf eine Revolution des Verstandes. Wir müssen zu dem Bewusstsein zurückkommen, das uns einst in die Mitte dieser Gesellschaft gebracht hat und groß gemacht hat. Keine Räte, keine leeren Institutionen mit großen Titeln. Mein Ziel ist eine Südstadt, die offen ist wie die Berliner Sonnenallee. Ein fruchtbares Miteinander der Kulturen. Eine Kiezkultur, die hier gewachsen ist und weiter wächst, zum Wohle aller. Wir brauchen eine neue Uni, wir brauchen Bildung, weniger Bürokratie, bezahlbare und nicht dirigistische Wohn und Verkehrskonzepte.

Gerne hätte ich dem Integrationsrat ganz unbürokratisch auf einem Podium dies einmal erklärt. Doch ich wurde nie geladen. Bei allen möglichen Veranstaltungen wird Antisemitismus und Rassismus pauschal verurteilt. Nur werde ich dazu gar nicht gehört.

Gerne hätte ich einmal eine Bilanz gezogen, doch ich war beim Integrationsrat bislang offenbar unerwünscht.

Ich habe den Verdacht, dort wird nur diskutiert, was man andernorts durch schiere Taten regelt. Beispiel: Singapur. Eine laizistische, offene Gesellschaft hat Platz für alle Vertreter verschiedenster Religionen, die keinen Integrationsrat brauchen. Hier wird gemacht, hier wird umgesetzt,  nicht geschwafelt.

Wie in der handlungsarmen Großen Koalition in Berlin geht es manchen offensichtlich nicht mehr ums Umsetzen praktikabler Politik. Es geht um Machterhalt und Machtausbau. Auf der Strecke bleibt der Bürger mit all seinen ungelösten Problemen, der in jeder Hinsicht im Stau steht, bald von einer Mini-Rente bei explodierenden Mieten leben muss und sich vom Staat verlassen und bestenfalls gemietdeckelt fühlt.

Ich kann jeden verstehen, der aus Protest laut wird.

Nicht verstehen kann ich, dass man religiös oder völkisch radikal werden soll. Das führt nur zu Isolation und Auseinandersetzung und am Ende zu Krieg.

Ich möchte mich an der Leistung messen lassen, an jener Verantwortung, die offensichtlich aus politischem Kalkül immer weniger offen tragen wollen. Das ist eine schlimme Entwicklung.  Jeder duckt sich weg und macht „Die da oben“ verantwortlich.

Mir geht es wie dem Trigema-Chef Wolfgang Grupp. Er hat damit kein Problem. Er steht zu seiner Verantwortung, wenn wer sagt: „Geht es meinem Unternehmen schlecht, bin ich als erster dafür verantwortlich.“ Er ist seit 50 Jahren erfolgreicher Firmenchef einer Firma, die hier Hemden produzieren lässt. Damit ist er schon weit vor jeder Klimadebatte ein Umwelt- und Menschenrechtsschützer gewesen, der verantwortungsvoll und fleißig bei uns auch mit vielen neu ins Land Gekommenen arbeitete, sie qualifizierte.

Ich fordere ein Raus aus der bürokratischen Lähmung! Wir dürfen unsere Leistungen nicht unter Wert verkaufen. Und vor allem müssen wir eines bedenken: Wenn wir dies nicht tun, wird uns der internationale Wettbewerb unseren Wohlstand schnell auch wieder nehmen. Zur Kulturmetropole Europas brauch es keine herkömmlichen Erklärungen von CSU, SPD und Grünen mit ihren Lippenbekenntnissen.

Nürnberg braucht eine weitere Transformation von einer Stadt der Reichsparteitage, einer erfolgreich wieder aufgebauten Metropole hin zu einer modernen Stadt mit einem  OB-Kandidaten mit Migrationshintergrund wie London. Als dieser Mann aus der Mitte fordere ich gerne mehr Verantwortung, um diese Transformation zu gestalten.

Vielen Dank!

Ümit Sormaz
Nürnberger OB-Kandidat der FDP

E-Mail fdp@uemit-sormaz.de


16. Dezember 2019

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